Blog von Hans-Peter Durst
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Jahrestag des Gewinns der Paralympischen Silbermedaille - Weltmeister in Kanada
Nach 34 Stunden Reise bin ich wieder gut in Dortmund angekommen - Kanada und die Weltmeisterschaft in Baie Comeau waren eine Reise wert - aber langsam, von Anfang an.

Am 20. August fur mich meine liebe Frau Ulrike gemeinsam mit meiner Tochter Katharina von Dortmund zum Flughafen Frankfurt.
Die nominierten DBS-Nationalmannschafts-Radsportler trafen sich dort, gemeinsam mit dem Bundestrainer Patrick Kromer, Teammanager Tobias Engelmann und den wichtigen Betreuern, Physiotherapeuten und Radmechanikern.

Ihr könnt Euch vorstellen, was beim check-in los war, als 14 Sportler mit Rädern, Dreirädern, Handbikes und zusätzlichem Übergepäck wie Warmfahrrollen, Ersatzlaufräder und Prothesen für die einzelnen Rennen losfliegen wollten.
Chaos pur, aber letztendlich war der Gepäck-Knäuel aufglöst und wir konnten zum Einstieg durchstarten.

7 Stunden ruhiger Flug nach Montreal, dort ein etwas unkomfortabler Bustransfer über 9 Stunden an die kanadische Küste, gefühlt schon bald Grönland. Eine herrliche Gegend, freundliche und begeisterungsfähige Menschen, aber doch recht weit weg für uns Sportler.

Ankunft 3 Uhr nachts Ortszeit in Matane, übermüdet und etwas kaputt ging es ohne Umwege ins Hotelbett.

Dann kam leider eine nicht so angenehme Phase für mich.
Offensichtlich waren die Belastungen der Reise doch zuviel für meinen Kopf und Körper, jedenfalls rebellierte mein Kopf so heftig mit Krämpfen und Kopfschmerzattacken, dass ein Start nicht möglich war beim Weltcup-Finale.
Beide Rennen mussten von der Verbandsärztin Vicky abgesagt werden - mein Ziel, den Gesamt-Weltcup 2013 zu gewinnen war damit leider zerplatzt.

Nach dem erfolgreichen Weltcup-Finale für unser DBS-Team (auch ohne mich :-) )ging es mit der Fähre über den St.-Lorenzstrom nach Baie Comeau - zur Weltmeisterschaft 2013.

Die Kopfschmerzattacken wurden etwas besser, die Doppelbilder blieben allerdings auch noch im Training auf der Rennstrecke für den 1. Wettbewerb, das Einzelzeitfahren - hier wollte ich meinen Weltmeistertitel aus 2011 verteidigen.

Nach einigen Tests und einer abschließenden Besprechung mit Ärztin Vicky durfte ich starten.

Ein schwieriger, sehr bergiger Rundkurs über 8,6 km war von Anfang mit hoher Konzentration und "voller Pulle" zu fahren.

Nach 14:53:58 Minuten war ich als amtierender Weltmeister und somit letztgestarteter Athlet im Ziel und erneut Weltmeister - eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 34:67 km/h machten dies möglich.

Die Freude war riesig, konnte ich mir dies vor dem Start überhaupt nicht vorstellen.

 
















Das Wetter machte mit für eine stimmungsvolle Siegerehrung, mein Dauerrivale und Freund David Stone aus Leeds/England konnte den 2. Platz mit 10:65 sek Rückstand belegen, der bärenstarke Kolumbianer Nestor Ayala Ayala belgte den 3. Platz.
















Nach 1 Ruhetag mit Regeneration und Ruhe fand das Strassenrennen der WM 2013 statt.
Mein Ziel für dieses Rennjahr war ganz klar eine Medaille im Strassenrennen zu gewinnen, meiner nicht so starken Disziplin. Viel hat Trainer Robert Pawlowsky mit mir dafür gearbeitet, vorallem auch taktisch mich darauf vorbereitet.

Das Rennen konnte ich starten, wenn auch Dr. Vicky Frey und Bundestrainer Patrick Kromer erst kurz vor Start grünes Licht gaben und mir ins Gewissen sprachen, bitte bei größeren Problemen sofort raus zu fahren. Das Problem beim Strassenrennen im Vergleich zum Einzelzeitfahren ist, dass ich mich nicht nur auf mich konzentrieren muss, sondern auch im Feld die Fahrer beobachten muss und ggfs reagieren muss auf Attacken, Stürze oder riskante Manöver.

Recht schnell hat sich auf diesem technisch anspruchsvollen Kurs mit vielen für uns Dreiradfahrer schwer zu fahrenden Kurven eine Gruppe abgesetzt, David Stone, Giorgio Farroni als Titelverteidiger, Nestor Ayala Ayala und ich.

Wie mit Trainer Robert und Bundestrainer Patrick Kromer abgesprochen, attackierte ich immer wieder an den ansteigenden Passagen, um zu sehen, wie die Konkurrenten reagierten.

Dadurch waren in der Schlussrunde nur noch David Stone und ich zusammen, eigentlich alles richtig gemacht bis dahin.

Ich sollte die Ruhe bewaren, ich hatte ja bereits meinen Titel, "die anderen müssen was tun" - war die ausgegebene Devise.

Aber wie es so ist - Geduld ist nicht meine Stärke und so suchte ich die Entscheidung am letzten steilen Anstieg 500 m vor dem Ziel - wie ich jetzt weiß, zu früh.

Bis 150 m vor dem Ziel, schon in Sichtweite war ich vorn, dann zog David Stone aus dem Windschatten nach vorne und konnte den Weltmeistertitel gewinnen.












Für mich war es trotzdem ein tolles Rennen, ich konnte zu Ende fahren, ich konnte mich im Vergleich zur WM 2011 um einen Platz verbessern und bin Vize-Meister - als in Dortmund lebender Sportler ein gutes Gefühl.

So möchte ich meinen Siegerstrauß symbolisch allen lieben Daumendrückern, allen Mutmachern und den Menschen übereichen, die so feste an mich geglaubt haben.

Ganz besonders erwähnen möchte ich auch die beiden Physiotherapeutinnen Alexandra und Aline, die mich mit Kopflymphe und vielen guten Worten überhaupt so fit bekommen haben, dass ich starten konnte und die beiden Top-Mechaniker Jan und Hermann, die meine Räder immer so perfekt in Schuss gebracht haben, obwohl ich die beiden Rennen in Matane nicht starten konnte - nie ein enttäuschtes Wort - im Gegenteil, immer Mut zusprechend und nach vorne schauend.











So kann ich heute schon sagen, dass ich dieses Ziel Strassenweltmeister nach Greenville S.C für 2014 zur Weltmeisterschaft übertrage und  ab Ende des Jahres darauf ganz konkret meine Trainingsaktivitäten ausrichten werde.

Nun werde ich zunächst meine gesundheitlichen Dinge regeln, ein wenig zur Ruhe kommen, mich bei meiner Familie, meinen Freunden, meinen Radsportbegleitern in Dortmund und Köln, meinen Förderern und Partner für die tolle Unterstützung bedanken durch das schwierige und turbulente Jahr seit den Paralympics 2012 in London - heute exakt vor 12 Monaten konnte ich dort unter den bekannten Umständen die Silbermedaille gewinnen - immernoch ein Gänsehautgefühl.
05.09.2013


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